
CC0 1.0 Universal (CC0 1.0) Public Domain Dedication
Das österreichische Bundesdenkmalamt (BDA) steht an vorderster Front bei der Erhaltung des kulturellen Erbes der Nation, nicht nur in Bezug auf Denkmäler und physische Objekte von kulturellem Wert, sondern zunehmend auch im digitalen Bereich. Mit dem technologischen Fortschritt und dem wachsenden Bedarf an langfristiger Zugänglichkeit historischer Aufzeichnungen muss der BDA ein digitales Konservierungssystem entwickeln und pflegen, das die Langlebigkeit des kulturellen Gedächtnisses Österreichs sicherstellt.
In den letzten Jahrzehnten wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, um historische Dokumente, Fotografien, Karten und andere Kulturgüter aus den 1850er Jahren zu digitalisieren. Die Herausforderung besteht nun darin, sicherzustellen, dass diese digitalen Assets trotz der unvermeidlichen technologischen Veränderungen für zukünftige Generationen nutzbar, verständlich und zugänglich bleiben.
Als Reaktion auf diesen wachsenden Bedarf hat der BDA in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Bundeskanzleramt und dem Österreichischen Staatsarchiv ein ehrgeiziges Projekt zur Implementierung eines quelloffenen digitalen Konservierungssystems eingeleitet, das auf die langfristigen Erhaltungsziele zugeschnitten ist. Nach einer umfassenden Evaluierung verschiedener Systeme entschied sich das Team für die Implementierung von RODA, einer Open-Source-Lösung, die von der portugiesischen Firma Keep Solutions entwickelt wurde. RODA soll die Einhaltung europäischer Normen, insbesondere der E-ARK-Spezifikationen, gewährleisten – ein Rahmen, der im Rahmen der eArchiving-Initiative der Europäischen Kommission entwickelt wurde. Diese Spezifikationen bieten einen standardisierten Ansatz für die Bewahrung, den Austausch und die Weiterverwendung digitaler Aufzeichnungen in ganz Europa.
Die Leistungsfähigkeit der E-ARK-Spezifikationen
Die Integration von RODA in die E-ARK-Spezifikationen ist ein großer Schritt für Österreichs Bemühungen um digitale Bewahrung. Die Spezifikationen sollen langfristige Migrationsstrategien unterstützen und sicherstellen, dass Informationen über Dateiformate und Aufbewahrungsanforderungen immer zugänglich und umsetzbar sind. Durch die Definition standardisierter Datendarstellungen trägt E-ARK dazu bei, die Integrität digitaler Assets zu erhalten und bei Bedarf zukünftige Transformationen zu ermöglichen.
Eines der wichtigsten Merkmale des E-ARK-Frameworks ist seine Fähigkeit, jede Erhaltungsmaßnahme zu dokumentieren und Transparenz und Vertrauen zu gewährleisten. Jeder Migrationsschritt wird akribisch protokolliert, einschließlich Details wie die Gründe für die Migration, die verantwortlichen Personen, die verwendete Software, die getroffenen Entscheidungen und die mit den digitalen Assets verbundenen Rechte. Dieses Niveau der Dokumentation ermöglicht es zukünftigen Archivaren und Forschern, die Authentizität und Provenienz dieser Aufzeichnungen vollständig zu verstehen und zu vertrauen.
Benutzerdefinierte Tools für eine nahtlose Integration
Mit Unterstützung des Bundesrechenzentrums (BRZ) wurde ein benutzerdefiniertes SIP-Erstellungstool geschaffen, um Daten von Herstellersystemen in E-ARK-konforme SIPs umzuwandeln. Es gibt zwei Haupterzeugersysteme:
- Das nationale Electronic Records Management System ELAK (Der elektronische Akt), das elektronische Aufzeichnungen gemischter Art veröffentlicht, d. h. sie enthalten E-Mails, elektronische Dokumente, Notizen und Metadaten in verschiedenen Formaten. Die Datensätze und Metadaten werden in einem elektronischen Datenaustausch für Dokumente (EDIDOC, ein Standard-Verpackungsformat für den Informationsaustausch, das von österreichischen Behörden wie dem Gericht, der öffentlichen Verwaltung usw. verwendet wird) zusammengefasst. Das EDIDOC besteht aus einem schemabasierten XML-Dokument, das eine Beschreibung von Metadaten und Inhalten sowie die Inhaltsdokumente selbst (z.B. Word, PDF, Excel-Dateien, verpackt in einem Container (ZIP)) enthält.
- Das Digitalisierungsmanagementsystem „Goobi“veröffentlicht Bildsammlungen mit Bildsätzen mit entsprechenden Metadaten.
In Bezug auf die beiden Herstellersysteme gibt es zwei Hauptanwendungsfälle, um sich auf die erstmalige Aufnahme bestehender digitaler Vermögenswerte vorzubereiten:
Anwendungsfall 1: Archivierung elektronischer Aufzeichnungen
Dieser Anwendungsfall wird von BDA implementiert und das RODA-System ist bereit, Ingests mit Produktionsdaten durchzuführen. Dies betrifft die von "ELAK" generierten Datensätze, die den folgenden strukturierten Workflow verwenden:
- Qualitätssicherung durch eine Testumgebung: Vor der vollständigen Archivierung wird ein Beispielsatz von Datensätzen in einer Testumgebung verarbeitet. Dieser Schritt ermöglicht die Feinabstimmung von Metadaten-Mapping und -Validierung, bevor Sie in die endgültige Produktionsphase übergehen.
- Metadaten-Mapping und -Konvertierung: Der elektronische Datensatz wird in ein standardisiertes Format umgewandelt, um sicherzustellen, dass alle Metadaten für die Aufbewahrung korrekt strukturiert sind. Das verwendete Format ist an etablierte Archivstandards wie Encoded Archival Description (EAD) angepasst.
- Endgültige Einnahme und Lagerung: Nach der Validierung werden die elektronischen Aufzeichnungen in die Produktionsumgebung aufgenommen und bilden ein Archivinformationspaket (AIP).
Anwendungsfall 2: Erhalt digitalisierter Bildsammlungen
Während sich dieser Anwendungsfall noch in der Planungsphase befindet, stellt er eine spannende Herausforderung dar. Dennoch werdendie wichtigsten Ideen hier kurz skizziert. Im Allgemeinen stellt sich beim Umgang mit großen, digitalisierten Bildsammlungen eine andere Herausforderung. Im Gegensatz zu elektronischen Aufzeichnungen sind sie deutlich größer und machen eine effiziente Speicherung und Verwaltung zu einer Priorität.
Ein möglicher Ansatz besteht darin, anstatt große Bilddateien in das Konservierungssystem zu verschieben, die Bilder im Object Store zu speichern, wo sie ursprünglich vom Digitalisierungsmanagementsystem platziert wurden. Dieser Ansatz minimiert Doppelarbeit und optimiert die Speicherressourcen. Dies würde erfordern, dass das Konservierungssystem Archivierungspakete erstellt, die auf die extern gespeicherten Bilddaten verweisen. Diese Methode stellt sicher, dass Metadaten und beschreibende Informationen ordnungsgemäß erhalten bleiben, während der Großteil der Bilddaten an seinem ursprünglichen Speicherort unberührt bleibt. Diese innovative Methode des Umgangs mit archivierten Bildsammlungen vermeidet unnötige Datenbewegungen und erhöht die Effizienz, stellt aber auch eine wichtige Herausforderung dar: wie die langfristige Integrität und Zugänglichkeit von Sammlungen, die in Cloud-basierten Speicher wie S3 verwaltet werden, sichergestellt werden kann. Da Cloud-Speicherlösungen immer häufiger eingesetzt werden, wird es für die digitale Bewahrung von entscheidender Bedeutung sein, nachhaltige und zuverlässige Strategien für die Aufrechterhaltung der in solchen Umgebungen gespeicherten digitalen Sammlungen zu finden.
Mit Blick in die Zukunft: Eine zukunftssichere Lösung
Die Initiative des BDA zur Integration der E-ARK-Spezifikationen in das RODA-System ist ein wichtiger Meilenstein in den Bemühungen Österreichs um die digitale Bewahrung. Durch die Nutzung dieser Standards und Instrumente setzt die BDA Maßstäbe für die Erhaltung des kulturellen Erbes im digitalen Zeitalter und stellt sicher, dass künftige Generationen unabhängig vom technologischen Fortschritt Zugang zum reichen kulturellen Erbe Österreichs haben.
Dieser innovative Ansatz ist mehr als nur ein Erfolg für die BDA; Es ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie standardisierte Rahmen wie E-ARK genutzt werden können, um digitale Aufzeichnungen auf globaler Ebene zu schützen und anderen Institutionen in ganz Europa und darüber hinaus dabei zu helfen, die Langlebigkeit ihrer digitalen Kulturgüter zu sichern.