
Auszeichnungen für digitale Kompetenzen: Europas digitale Zukunft im Fokus
Am 12. November haben die Exekutiv-Vizepräsidenten der Europäischen Kommission Henna Virkkunen und Roxana Mînzatu in Brüssel die Gewinner der European Digital Skills Awards 2025 (EDSA25) vorgestellt. Im Rahmen der Feierlichkeiten wurden fünf ausgezeichnete Initiativen zur Förderung digitaler Kompetenzen und der Inklusion in ganz Europa gefeiert.
Henna Virkkunen betonte, wie wichtig es sei, effizienter zusammenzuarbeiten, um das gemeinsame Ziel zu erreichen, Europa als weltweit führendes Unternehmen im Bereich der digitalen Innovation zu etablieren. Roxana Mînzatu betonte unterdessen, dass neue Technologien, Automatisierung und KI bereits die Art und Weise, wie wir leben, lernen und arbeiten, verändern. Neben klassischem Wissen sollte jeder Europäer über staatsbürgerliche und digitale Kompetenzen verfügen. Beide Kommissare betonten, wie wichtig es sei, dafür zu sorgen, dass niemand zurückgelassen werde.
In ihren Erklärungen wurden die EDSA25-Gewinner nicht nur als gute Ideen, sondern als entscheidende strategische Initiativen für den digitalen Wandel in Europa bezeichnet. Hier ist ein genauerer Blick auf die Gewinner in jeder Kategorie und die breitere Bedeutung ihrer Arbeit.
Digitale Weiterbildung am Arbeitsplatz – EBU Academy School of AI
In der Kategorie „Digitale Weiterbildung @ Arbeit“ wurde die KI-Schule der EBU-Akademie ausgewählt. Mit dieser Initiative wird dem wachsenden Bedarf an künstlicher Intelligenz unter Medienschaffenden in Europa Rechnung getragen. Es bietet eine zentrale Plattform für KI-Lernen, maßgeschneiderte Kurse für nationale öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten mit einem starken Fokus auf kritisches Denken, ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis und Online-Zugänglichkeit.
Dieser Gewinner zeigt, wie Arbeitsplätze digitale Kompetenzen stärken können, indem sie über die Grundkompetenz hinaus zu fortgeschrittenem, berufsspezifischem Wissen übergehen, das Fachleuten hilft, mit neuen Technologien Schritt zu halten und das Vertrauen in das Medienumfeld zu bewahren.
Digitale Kompetenzen für die Bildung – Flucht vor Fälschungen
In der Kategorie „Digital Skills for Education“ gewinnt Escape Fake, ein Augmented-Reality-Spiel, das jungen Menschen Medienkompetenz vermitteln soll, einschließlich der Erkennung von Fake News, Online-Manipulation und Datenschutzrisiken. Ergänzt wird das Spiel durch Lehrerausbildung, Schulworkshops, ein Erzieher-Toolkit und eine Community of Practice.
Mit einer innovativen Schnittstelle von immersiver Technologie und Bildung zeigt dieses Projekt, wie digitale Kompetenzen über die bloße funktionale Nutzung von Technologie hinausgehen und in eine kritische digitale Bürgerschaft eintreten und junge Lernende darauf vorbereiten, nachdenklich an einer digitalen Gesellschaft teilzunehmen.
Cybersicherheitskompetenzen – Digitaler Engel
Für „Cybersecurity Skills“ gewinnt der vom Bundesministerium für Bildung geförderte Digital Angel. Es handelt sich um ein bundesweites Programm, das ältere Erwachsene bei der sicheren Nutzung digitaler Werkzeuge unterstützt. Durch mobile Öffentlichkeitsarbeit, personalisierte Beratung und geschulte Multiplikatoren hat das Projekt über 25 000 Menschen erreicht und kann regional skaliert werden.
In diesem Projekt wird Cybersicherheit nicht nur als technisches Problem, sondern auch als Dimension der sozialen Inklusion dargestellt. Der Gewinner zeigt, dass digitale Sicherheit untrennbar mit digitalem Zugang verbunden ist, insbesondere für Gruppen, die von Ausgrenzung oder Missbrauch bedroht sind.
Inklusion in der digitalen Welt – Digitales Überall (Digital Everywhere)
In der Kategorie „Inklusion in die digitale Welt“ gewinnt Digital Überall, ein bundesweites Programm in Österreich. Das Programm bietet kostenlose Workshops zu grundlegenden digitalen Fähigkeiten für Erwachsene, insbesondere ältere Erwachsene, Landbewohner und unterversorgte Gemeinden. Mit mehr als 5 000 Workshops in allen österreichischen Bezirken und über 41 000 Teilnehmern verzeichnet die Initiative eine Zufriedenheit von 94,7 %.
Dieser Gewinner zeigt, dass grundlegende digitale Kompetenzen nach wie vor eine zentrale Priorität für inklusive Gesellschaften sind. Es erinnert uns daran, dass die Ermöglichung des Zugangs, die Förderung lokaler Anbieter und der Aufbau von Vertrauen in Lernpfade von entscheidender Bedeutung sind, um sicherzustellen, dass niemand zurückgelassen wird.
Frauen in IKT-Karrieren – Ingenieurinnen für einen Tag
Diese in Portugal ansässige Initiative „Ingenieurinnen für einen Tag“ ist die Gewinnerin in der Kategorie „Frauen in IKT-Karrieren“. Das 2017 gestartete Programm bringt Schülerinnen im Alter von 12 bis 18 Jahren mit praktischen MINT- und IKT-Aktivitäten zusammen. Über mehr als 850 Aktivitäten, an denen mehr als 100 Partnerorganisationen, 65 Schulen und 23 Hochschuleinrichtungen beteiligt sind, wurden 22 000 Schülerinnen und Schüler erreicht.
Dieser Preisträger unterstreicht die strategische Priorität der Inklusion von Frauen und Männern in digitalen Berufen. Durch die frühzeitige Schaffung von Chancen veranschaulicht das Projekt, wie Europa weibliche Talente in den Bereichen IKT und MINT fördern und die seit langem bestehenden Ungleichgewichte bei den digitalen Arbeitskräften verringern kann.
Zusammen bilden die EDSA25-Gewinner ein kohärentes Narrativ: Europa baut digitale Kompetenzen nicht als isoliertes Ziel auf, sondern als Grundvoraussetzung für technologische Souveränität, soziale Inklusion, vertrauenswürdige Medien und Geschlechtergerechtigkeit.
Advanced Digital Skills Summit
Am zweiten Tag, dem 13. November, lag der Schwerpunkt auf Europas Pipeline für fortgeschrittene digitale Talente und den Maßnahmen, die erforderlich sind, um die Ziele des Politikprogramms für die digitale Dekade zu erreichen. Renate Nikolay hat die Weichen gestellt und betont, dass Europa seinen Talentpool in Bereichen wie KI, Cloud, Daten, Quantentechnologie, Chips und virtuelle Welten dringend stärken muss. Ihre Botschaft spiegelte den breiteren Kontext wider, der an diesem Tag präsentiert wurde: Europa ist nach wie vor weit von seinem Ziel entfernt, bis 2030 20 Millionen IKT-Spezialisten zu beschäftigen, wobei Engpässe die Wettbewerbsfähigkeit und Innovation verlangsamen könnten. Unterstützt durch die politische Agenda der Kommission muss eine konzertierte Anstrengung an vorderster Front stehen, um eine digitale Führungsrolle zu erreichen.
Die Vormittagssitzungen untersuchten den neuesten Stand der fortgeschrittenen digitalen Fähigkeiten, wobei Brendan Rowan von BluSpecs neue Daten und wichtige Ergebnisse präsentierte. Während sich die Zahl der IKT-Fachkräfte in der EU seit 2011 verdoppelt hat und heute der zweitgrößte Arbeitgeber von IKT-Fachkräften weltweit ist, reichen die Fortschritte immer noch nicht aus, um den sich wandelnden Qualifikationsanforderungen gerecht zu werden.
Im Anschluss an diese Einführung erörterten Vertreter der Mitgliedstaaten die Herausforderungen bei der Angleichung der Bildung an die Anforderungen des Arbeitsmarktes und der Gewinnung spezialisierter digitaler Talente. In den anschließenden Diskussionen wurde betont, wie wichtig es ist, die Ausbildungssysteme und die Zertifizierung anzupassen, die Anerkennung fortgeschrittener Kompetenzen zu verbessern und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu verstärken.
Branchenperspektiven brachten die Debatte näher an die Praxis. Infineon stellte sein „Spielbuch“ zur Skalierung von Fachwissen vor, gefolgt von parallelen Best-Practice-Sitzungen unter der Leitung von Experten von Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Gemeinsam lieferten sie konkrete Beispiele dafür, wie Europa die Kursqualität, die Akkreditierung und die Nachhaltigkeit von Weiterbildungsprogrammen verbessern kann.
Am Nachmittag drehten sich die Diskussionen um die Entwicklung von KI-Talenten, die Befähigung von Menschen, anstatt sie zu ersetzen, Umschulungsmöglichkeiten und die Rolle neuer Ausbildungswege, um vielfältigere Profile für IKT zu gewinnen. Referenten aus Industrie und Wissenschaft veranschaulichten, wie sich Unternehmen an den raschen technologischen Wandel anpassen, wie diese Veränderungen die Bedürfnisse der Belegschaft umgestalten und wie sie von neuen Lernmethoden profitieren können. Eine abschließende Reflexionssitzung brachte Erkenntnisse der OECD und der Generation zusammen und betonte, dass die Wettbewerbsfähigkeit Europas zunehmend von koordinierten Maßnahmen zwischen politischen Entscheidungsträgern, Industrie und Bildungsanbietern abhängt.
Der Tag ging weiter mit der Eröffnung des Women in Digital Summit, der von June Lowery Kingston vorgestellt wurde und eine aufgezeichnete Videobotschaft von Executive Vice President Henna Virkkunen enthält. In der Sitzung wurde untersucht, wie Europa die seit langem bestehende Unterrepräsentation von Frauen im IKT-Bereich umkehren kann, und es wurde der Grundstein für den letzten Tag der EU-Tage für digitale Kompetenzen am 14. November sowie für den Rest des Gipfeltreffens „Frauen im digitalen Bereich“ gelegt.
Gipfeltreffen „Frauen in der digitalen Welt“ 2025: Von der Evidenz zum Handeln durch ein Expertennetzwerk
Der erste Women in Digital Summit brachte Experten aus der gesamten digitalen Pipeline zusammen - Forscher, Pädagogen, politische Entscheidungsträger, Branchenführer, die Zivilgesellschaft und Männer, die in der Branche arbeiten und sich für den Wandel einsetzen. Diese Sammlung von Perspektiven hat das geschaffen, was Europa braucht, um die Gleichstellung der Geschlechter im digitalen Bereich voranzubringen: Ein Raum, in dem Evidenz auf Erfahrung trifft und Ideen in die Tat umgesetzt werden.
Ein Höhepunkt des Gipfels war die Einführung des „Women in Digital Index“, in dem neue Daten und Einblicke in die Vertretung von Frauen in jeder Phase der digitalen Pipeline in den Mitgliedstaaten präsentiert wurden. Diese Erkenntnisse vertiefen unser Verständnis von hartnäckigen Lücken und stärken unsere kollektive Handlungsfähigkeit.
In Keynotes, Podiumsdiskussionen und kollaborativen Sitzungen untersuchten die Teilnehmer die gesamte Reise von Mädchen und Frauen im digitalen Bereich: Von frühem Interesse an MINT zu Karriereentwicklung und Führung. Freiwillige aus den thematischen Arbeitsgruppen des Forums „Frauen im digitalen Raum“ hatten seit Juni die Möglichkeit, sich persönlich zu treffen und sich über ihre Ergebnisse auszutauschen. Eine wiederkehrende Nachricht ertönte: Daten allein verändern die Welt nicht, das tun die Menschen.
Durch die Verbindung von Experten, die jede Phase der Pipeline beeinflussen, generierte der Gipfel Impulse für die Skalierung effektiver Lösungen, von inklusiverer digitaler Bildung bis hin zur Unterstützung von Unternehmerinnen und der Transformation von Arbeitsplatzkulturen.
Die Teilnehmer wurden eingeladen, sich den beiden neu ins Leben gerufenen Arbeitsgruppen anzuschließen und bewährte Verfahren auszutauschen, um gemeinsam Fortschritte zu erzielen. Auf dem Gipfel wurde deutlich, dass Europa beim Aufbau einer wirklich inklusiven digitalen Zukunft gemeinsam stärker ist.